Das Monster
aus der
Spätvorstellung

Rezension aus dem SpielXPress
(Juni 2008)


Jeder kennt sie: Filme, die so schlecht sind, dass die „Goldene Himbeere“ noch zu gut für sie ist… aber seltsamerweise sind doch verdächtig viele Leute mit dem Inhalt und den Schauspielern vertraut.

Das Monster aus der Spätvorstellung bringt das Rollenspiel in die Welt der schlechten Filme. Mit diesem dünnen Bändchen haltet ihr ein Werk in der Hand, welches euch befähigt, einen wirklich miesen Film zu drehen. Und wenn ich mies sage, ist das noch freundlich ausgedrückt!
Das Monster aus der Spätvorstellung und auch die nachfolgenden Bändchen beinhalten ein Rollenspielsystem, wie es an Schrägheit schwer zu übertreffen ist.
Der Spielleiter übernimmt hierbei die Rolle des Drehbuchschreibers, Produzenten, Casting Managers, und jede weitere Rolle, die hinter den Kulissen zu besetzen ist.
Die Spieler erschaffen sich einen Schauspieler, der auf eine bestimmte Rolle festgelegt sein sollte. Da wären zum Beispiel der jugendliche Held, der zerstreute Professor, die Drama-Queen, und viele mehr. Stellt euch einfach die üblichen Protagonisten eines wirklich, wirklich miesen Horrorfilms vor, dann wisst ihr, wovon hier die Rede ist.
Der Regisseur castet dann die einzelnen Schauspieler für die Rollen in seinem neusten Film, stattet die „Helden“ mit den benötigten Accessoires aus und los geht’s.
Ab hier liegt das Geschehen in den Händen der Schauspieler. An ihnen liegt es, einem an den Haaren herbeigezogenem Plot Leben einzuhauchen. Dabei kann es durchaus passieren, dass sich die Haare wehren, also Vorsicht!
Die Zeit läuft ab sofort in Aufnahmen und Szenen – und ewiger Ruhm wird die Schauspieler erwarten. Oder zumindest ein paar faule Tomaten.
Im Laufe ihrer Karriere bietet sich den Spielern die Möglichkeit, an vielen aufregenden Werken der Filmkunst teilzuhaben, und so eine Karriere im Showbiz zu starten. Nach einem erfolgreichen Drehtag – oder auch mehreren, wenn die Helden die Handlung unnötig verkomplizieren – gilt es, Ruhm zu sammeln (Erfahrungspunkte) und die zwar spärlichen, aber doch vorhandenen Talente wie Zechen, Schleichen oder Bombenlegen – ein unglückliches Talent, bietet es dem Regisseur so doch die Möglichkeit, sich mit einem großen Knall eines unliebsamen Schauspielers zu entledigen – zu verbessern, um dem nächsten Film gefasst ins Krakenauge zu blicken.
Dieser erste Band enthält alles, was benötigt wird, um sofort loslegen zu können. Alle wichtigen Infos zur Charaktererstellung, das Handwerkzeug für den Meister, und last but not least, das Originaldrehbuch Angriff der untoten Sporttaucher-Zombies auf Bikini-Beach. Klingt doch viel versprechend, oder? Als krönenden Abschluss befindet sich am Schluss eine Liste der miesesten Filme aller Zeiten, die so schlecht sind, dass man sie gesehen haben muss, um zu glauben, dass so etwas möglich ist. Ganz zu schweigen von ihrem unfreiwilligen Unterhaltungswert, man denke an Krieg der Eispiraten.

[...]

Mein Resümee? Auf die Idee muss man mal kommen! Schlechte Filme als Rollenspielplot. Die Spieler als miese Schauspieler in unglaubwürdigen Plots, die kein Regisseur mit Selbstachtung drehen würde, mit Ausnahme vielleicht von Ed Wood und dem Spielleiter. Ein Heidenspaß für alle Beteiligten! Unbedingt ausprobieren. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Pro:
Pulp vom Feinsten

Contra:
Nix Contra! Einsatz für die Tentakel aus Schaumstoff! Nebelmaschine an!

Inhalt: 78%
Lesbarkeit: 83%
Optik: 69%
Regeln: 88%

Wertung: 79%