Saloon

Spielrunden-Report von Boardgamegeek
(18. Dezember 2001)


Wie alles anfing, wusste nachher keiner mehr so genau. Ich war mit mir selbst beschäftigt und schlürfte langsam meinen Texas-Whiskey, als ich plötzlich den örtlichen Goldgräber Jim hörte, wie er rief: "Niemand sagt das über mich und sieht noch einmal das Tageslicht!" Bevor ich etwas tun konnte, flog der adrette Kavallerie-Offzier namens Greg über die Bar und krachte in die sogfältig auf einem Regal aufgestellten Glasreihen.
Dieses üble Halbblut Lenny lachte sich schlapp, was Greg nur noch wütender machte. Er sprang wieder auf die Bar und traf Lenny mit einem der bösesten Roundabouts, die ich jemals gesehen habe. Nun weiss ja jeder, wieviel böses Blut es zwischen diesem Mexikaner Willerd und Lenny, also nutzte Willerd wohl die günstige Gelegenheit und versuchte einen Stuhl auf Lennys Skalp zu zertrümmern. Lenny war jedoch darauf vorbereitet und ließ den Stuhl wieder auf Willerd zurückprallen, der heulend vor Schmerzen zurück stolperte.
Lenny war jedoch wütend und begann auf jeden einzuschlagen, der ins eine Nähe kam. Er war praktisch ein Berserker, als er einen mächtigen Tritt genau in Jims Unterleib platzierte. Jim heulte auf und fiel zu Boden, aber Lenny war noch nicht am Ende. Er ließ sofort einen anderen Tritt in Gregs Unterleib los, bei dem sogar ich zusammenzuckte.
Trotz seiner offensichtlichen Schmerzen schleuderte der tapfere Kavallerie-Offizier eine halbvolle Whiskey-Flasche nach lenny, die jedoch nur an seiner Schulter abglitt. Lenny landete noch einen schnellen Faustschlag bei Greg, bevor er sich in Deckung warf. Greg selbst warf sich von der bar hinab auf den alten Goldgräber, der in einer Pfütze aus Blut und Whiskey auf dem Boden liegen blieb.
In diesem Moment sagte der Mexikaner irgendwas Unverständliches und stürzte sich auf Lenny, wobei er versuchte, ihn heftig in den Unterleib zu treten. Lenny war jedoch zu schnell, griff sich den Kavallerieoffizier und benutzte ihn als menschlichen Schutzschild. und so erlitt der arme Greg die Folgen von Willerds Wut. Als sei der Tritt ins Gemächt nicht genug, schleuderte Willerd ihn heimtückisch durch das Fenster und warf auch noch ein volles Whiskey-Fass auf ihn drauf. Oh Junge! Dieser Kampf wurde langsam heiß!
Der Kavallerie-Offizier kam schwankend wieder auf die Füße, schnappte sich eine Whiskey-Flasche und schleuderte sie mit einem gut gezielten Wurf an den Kopf des Halbbluts. Dies machte wiederum das Halbblut wütend und er versuchte nach dem Mexikaner zu treten. Glücklicherweise war Willerd zu schnell und suchte Deckung hinter einem umgestürzten Tisch. Aus der Deckung heraus warf er eine weitere Whiskey-Flasche nach Lenny, der wieder getroffen wurde.
Der alte Hund Jim schaffte es im Großen und Ganzen sich aus dem Getümmel herauszuhalten, aber nicht emhr lange. Lenny schnappte ihn und warf ihn über einen Tisch, der dabei zu Bruch ging. Von diesem Zeitpunkt an war es eine wilde Keilerei jeder gegen jeden. Der Kavallerie-Offizier und der Mexikaner droschen aufeinander ein, bis sie irgendwann beide in einem Haufen auf dem Boden lagen. Um sich nicht übertrumpfen zu lassen, gingen auch das Halbblut und der Goldgräber aufeinander los, und das Blut floss reichlich.
Dann hatten wir unseren ersten wirklichen Verlust. Jim schleuderte einen gefüllten Spucknapf auf Lenny, der ihn direkt auf die Strin traf und bewußtlos schlug. Ich hoffe bloß, dass ich die Sauerei nicht saubermachen muss! Der Goldgräber war hingegen noch nicht am Ende und verpasste dem Mexikaner einen heftigen Schwinger. Während er jedoch noch mit dem Rücken zum Kavallerie-Offizier stand, nahm dieser einen Stuhl und zertrümmerte ihn auf dem Kopf des Goldgräbers, der wie ein Sack zu Boden ging. Zwei am Boden.
Nachdem sie sich ein paars Schläge verpasst hatten, trat der Kavallerist dem Mexikaner heftig in den Unterleib, wodurch dieser vor Schmerzen zu Boden ging. Greg ergriff diese Gelegenheit, um noch einen weiteren Stuhl auf Willerds Kopf zu zerlegen. Dann stieß er seinen Siegesschrei aus: "Legt Euch nicht mit der Kavallerie an!"
Mann! So eine Kneipenschlägerei habe ich seit Wochen nicht gesehen!
* * *

Bei diesem Spiel handelt es sich um Saloon, eins der neuen Spiele von Krimsus Krimskrams-Kiste, dem kleinen deutschen Spieleverlag. Es ist ein schnelles Action-Spiel, bei dem die Spieler sich in einer Sallonschlägerei im Wilden Westen messen müssen. Wer als letzter noch steht, gewinnt!

Der Mechanismus ist recht simpel. Jeder Spieler wählt einen Charakter und beginnt das Spiel mit fünf Karten, die er dazu benutzt, seine Gegner KO zu schlagen. Der erste Spieler spielt eine Angriffs-Karte, die man mit einer Schlag-Karte und manchmal einem Gegenstand noch verbessern kann. Das Ziel hat die Möglichkeit, noch eine Karte zur Verteidigung zu spielen, die den Angriff abwehren oder zumindest abschwächen kann. Schadenspunkte werden auf der Charakter-Karte des Spielers abgetragen. Wenn ein Spieler zehn oder mehr Schadenspunkte hinnimmt, ist er bewusstlos und somit aus dem Spiel.
Sobald ein Angriff abgewickelt wurde, zieht der Angreifer zwei neue Karten vom Zugstapel und kann eine der Karten auf seiner Hand gegen eine andere austauschen. Das Ziel des Angriffs ist nun der neue Angreifer und setzt den Kreislauf fort. Wenn ein Spieler keine Angriffskarte besitzt, kann er stattdessen auch eine blaue Spezial-Karte spielen. Diese Karten sorgen normalerweise dafür, dass ein besonderes Ereignis eintritt oder Schadenspunkte geheilt werden. Wenn ein Spieler auch keine blaue Karte besitzt, muss er eine Karte sn einen seiner Gegner weiterreichen, der dann der nächste Angreifer wird.Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis nur noch ein SApieler steht.
Es gibt hier nicht gerade viele strategische Momente, aber das soll auch so sein. Das Ziel ist eine verdammt gute Zeit dabei zu haben, sich gegenseitig die Spinnweben aus dem Anzug zu hauen. Wenn man es in der richtigen Stimmung spielt, gelingt dieses Vorhaben recht gut. Obwohl wir anfangs einige Regeln falsch interpretiert hatten, verwandelte ich mich schnell in meinen Charakter und lachte mich kaputt. Wenn man es mit einer Gruppe spielt, der es nicht gelingt, sich in die richtige Stimmung zu bringen, oder die nach etwas ernsthafterem suchen, würde das Spiel absolut versagen.
Auf den ersten Blick erscheinen die Regeln etwas verwirrend. Ich habe einige Klarstellungen aus dem Netz und von den Designern erhalten, die dabei halfen, weitere Spiele reibungsloser und schneller zu gestalten. Ich warne jedoch davor, dass jede Karte massenweise deutschen Text enthält; wenn Ihr also nicht bereit seid, Englische Übersetzungen (die auf der Website erhältlich sind) auf die Karten zu kleben, solltet Ihr Euch sehr sorgfältig überlegen, ob Ihr dieses Spiel wirklich kaufen wollt.

Bewertungen: Jim 6, Lenny 6, Greg 6, Willerd 5

Greg Schloesser